Kurt Hahn entwickelte ein erlebnispädagogisches Gesamtkonzept, dessen vier Elemente den wesentlichen Zivilisationskrankheiten entgegenwirken und damit den jungen Menschen zum mündigen Staatsbürger erziehen sollen:
- Körperliches Training gegen den Verfall der körperlichen Tauglichkeit
- Expeditionen gegen schwindende Eigeninitiative und Überwindungskraft
- Projekte gegen den Verfall von Geschicklichkeit und Sorgfalt
- Rettungsdienst gegen den Verfall des Mitgefühls
Ziele moderner Erlebnispädagogik sind die Entwicklung der Persönlichkeit, der sozialen Kompetenz und eines systemischen, ökologischen Bewusstseins.
Moderne Erlebnispädagogik schafft methodisch angereicherte Lernräume, in denen eigene Werte und Verhaltensweisen erfahrbar und auf ihre Effizienz hin in Kombination mit ihrer Sozialverträglichkeit überprüfbar werden.
Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen machen die andauernde Aktualität des erlebnispädagogischen Ansatzes aus:
- - Die privat-sozialen Systeme lösen sich auf.
- - Das Bedürfnis nach Individualität steigt, Abnahme der Solidarität.
- - Bestimmte Wohnsituationen nehmen Kindern Beziehungen und Bezugspersonen.
- - Die Welt der Erwachsenen hat mit der der Kinder nur noch wenige Berührungspunkte.
- - Der kindliche Drang nach Abenteuern, Selbsterfahrung und Entdecken wird durch „zweckmäßige“ Architektur (Hochhäuser) gebremst und unterdrückt.
- - Die Reizüberflutung durch neue Medien lässt die Menschen mehr und mehr in die Zuschauermentalität verfallen.
- - Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft nehmen ab.
- - Die Umweltverschmutzung nimmt zu.
Erlebnispädagogische Maßnahmen können präventiven oder therapeutischen Charakter haben. Auch in der Industrie und Wirtschaft besitzt der erlebnispädagogische Ansatz vor allem in Bezug auf die Soft Skills eine hohe Relevanz. Die zentrale Frage beim Einsatz erlebnispädagogischer Maßnahmen ist die Transferproblematik.
Die Möglichkeit eines gelungenen Transfers erhöht sich, wenn
- - die Erfahrung im Gruppenverband der Erfahrung der Risikosituation zumindest gleichgestellt ist,
- - sich die Gruppe auch nach der Aktivität trifft und sich über die in ihrem Alltag gemachten Erfahrungen austauschen kann,
- - eine reflexive Vertiefung der Erfahrungen stattfindet,
- - die Kursaktivität eine hohe Strukturähnlichkeit zur Alltags-/Berufssituation aufweist, so dass ein unbewusster Transfer bereits in der Aktion erfolgt.